Ukemi-waza (Fallschule): Lernen, wie man fällt

Die Fallschule ist ein wichtiger Bestandteil in vielen verschiedenen Kampfkünsten und mitunter Voraussetzung für das weitere Training.

Es ist auch kein Geheimnis, dass das Praktizieren der Fallschule nicht gerade eines der beliebtesten Trainingsinhalte für Jung und Alt ist.

Und wie es auf meinem Blog so üblich ist, wird die Fallschule in diesem Beitrag ebenfalls mal aus einem anderen Blickwinkel unter die Lupe genommen.

Doch erstmal ganz allgemein:

 

Fallschule allgemein

Training

Zunächst ist die Fallschule ein fester Bestandteil des Trainings, da durch ihr gewährleistet wird, dass die Praktizierenden sich nicht beim Training verletzen, wenn sie geworfen werden oder aus anderen Gründen zu Boden gehen. Auf die genaue technische Ausführung werde ich an dieser Stelle nicht eingehen.

Ziel dieser Einheiten ist es jedenfalls, zu vermitteln, wie man sich im Falle des Falles (Wortwitz, haha  😉) verhält und landet oder besser noch abrollt, um sich nicht zu verletzen sowie um sich schnellstmöglich wieder kampfbereit aufzurichten. Durch eine hohe Anzahl an Wiederholungen der Rollen und Stürze wird der Reflex, die Arme beim Fallen – häufiger Grund für Verletzungen wie Knochenbrüche – auszustrecken um den Kopf zu schützen, durch optimalere Bewegungsabläufe ersetzt. Kopf- Rücken- sowie Gelenkverletzungen werden auf diese Weise vermieden. Kombiniert werden diese Bewegungen dann noch mit der richtigen Atmung (Schon mal so ungünstig auf den Rücken gefallen, dass Dir die ganze Luft wegblieb? Dann hast Du in der Situation wohl nicht ausgeatmet).

 

Eigene Erfahrungen

Ich selbst durfte die Fallschule schon unfreiwillig in vielen verschiedenen Situationen außerhalb des Dojos anwenden:

 

Alltag

Hin und wieder, geschickt wie ich bin, stolpere ich entweder über Gegenstände oder gerne auch mal über meine Fallschuleeigenen Füße. Doch bisher konnte ich mich in solchen Situationen immer elegant abrollen (kurz umsehen und sicher gehen, dass das niemand gesehen hat und anschließend weitergehen).

Bei Glatteis

Sei es in der Eishalle oder auf einzelnen vereisten Stellen auf dem Fußgängerweg passiert, auch hierbei konnte ich mich bisher immer auf die Fallschule verlassen.

Auf zwei oder vier Rädern

Selbst Stürze vom Fahrrad oder Longboard sind kein Problem mehr.

😆

Im Kampf

Und auch im Kampf selbst, sei es eine Selbstverteidigungssituation, Sparring oder auf einem Turnier, erweist sich die Fallschule natürlich als nützlich!

Wer mir auf Instagram folgt oder den letzten Artikel bezüglich der DM gelesen hat, hat folgendes Video bereits gesehen:

 

Okay, ich habe mich zwar nicht klassisch abgerollt, mich aber beim Fallen auch nicht verletzt und weitergekämpft – und damit habe ich nun einen guten Übergang zum weiteren Teil dieses Artikels 😎

 

Fallschule mal anders

Jeder fällt mal im Leben, wie anhand der vorherigen Beispiele wörtlich, oder, was auch nicht selten vorkommt, im metaphorischen Sinne:

Man fällt durch begangene Fehler, Niederlagen oder Schicksalsschläge aus allen Wolken.

In manchen Fällen scheint es sogar so, als würde man gar nicht mehr aufhören zu fallen, immer tiefer, immer weiter. Je tiefer der Fall, desto härter dann der Sturz. Man verfällt irgendwann in eine Depression; manch einer erholt sich gar nicht mehr davon und bleibt liegen.

Doch so muss es nicht sein, so muss es nicht enden! Auch das Fallen in solchen Situationen kann wie die Fallschule in der Kampfkunst erlernt werden!

Dafür muss der Schaden beim Fallen minimiert; die Landung selbst also optimiert werden. Wie bekommt man das hin? Indem die vorhandenen zwei Optionen kritisch betrachtet werden und man sich für eine der beiden entscheidet:

 

Option A

Man bleibt nach dem Fall liegen, versinkt in Selbstmitleid, versucht sich nicht wieder aufzurichten.

Man nimmt sich jegliche Chance, wieder glücklich zu werden und weiterzuleben. Das war’s auch. Ende.

Nicht sonderlich verlockend, oder?

 

Option B

Man nutzt den Schwung des Falls und steht wieder auf, wenn man zu Boden geht.

Man kämpft weiter und es stehen einem alle Türe offen. Man hat die Chance, wieder glücklich zu werden.

Hinzu kommt, dass man durch diese Erfahrung weiser und stärker wird, man lernt sogar, die Glücksmomente im Leben noch mehr zu schätzen, da man auch die Schattenseiten des Lebens kennengelernt hat.

 

Du hast die Wahl

Du hast es in der Hand, welche Option Du nun wählst, wenn Du fällst. Aber es ist wohl offensichtlich, welcher Weg der sinnvollere ist.

Und wie in der Fallschule werden die ersten „Rollen“ noch recht unbeholfen und manchmal schmerzhaft sein, aber auch hierbei werden sich die Verbesserungen mit der Zeit zeigen: Irgendwann automatisiert sich das Ganze auch und Du gehst mit Rückschlägen viel besser um.

Die erfolgreichsten und glücklichsten Menschen im Leben sind diejenigen, die die „Fallschule“ gemeistert haben.

Fazit

Fassen wir nochmal zusammen:

Die Fallschule dient den Kampfkünstlern als Schutz vor Verletzungen sowohl im Training als auch im Kampf selbst. Um diese instinktiv zu beherrschen, bedarf es sehr viele Trainingseinheiten und Wiederholungen.

Genauso verhält es sich mit schicksalsbedingte Situationen im Leben, in denen man „fällt“. Auch hierbei muss man das Fallen erst erlernen und vorher schon verinnerlichen, dass Liegenbleiben keine sinnvolle Alternative darstellt. Es wird anfangs nicht leicht sein, aber es lohnt sich.

Mit meiner Niederlage (Link passend zum Thema!) bei der DM habe ich ein aktuelles Beispiel zum Umgang mit solchen Erlebnissen. Ich habe mich recht lange vorbereitet und trotzdem nicht das erhoffte Ergebnis erzielt. Doch ich ziehe meine Lehren daraus und selbst wenn ich beim nächsten Kampf wieder fallen sollte, stehe ich einfach wieder auf!

„Es ist keine Schande hinzufallen, liegenzubleiben aber schon.“

 

Ich sehe in vielen Aspekten der Kampfkunst Parallelen zum Leben und nutze diese daher als eine Art Metapher und schreibe gerne etwas darüber. Falls Dir meine Gedanken dazu gefallen und Du weiterhin etwas über solche Themen lesen willst, teile es mir mit!

Generell habe ich in letzter Zeit wenig Feedback bekommen, was ich sehr schade finde – vielleicht ändert sich das noch, ich hoffe es! Aber auf jeden Fall vielen Dank fürs Lesen.

 

Dein Kampfzwergasiate

 

2 Kommentare

  1. Thomas Berg 12. Februar 2018 at 12:09

    Toller Beitrag. Man muss wiessen wie man hinfällt, ohne sich schlimm zu verletzen..

Was denkst Du darüber?