Definition: Kampfsport und Kampfkunst

Schläge, Tritte, Würfe, Griffe und Hebel, manchmal sogar die Verwendung von Waffen; zwei Kontrahenten, die sich gegenüber stehen und unter Beifall des Publikums Schläge austauschen oder asiatische Männer in lustigen weißen Anzügen, die seltsam anmutende Bewegungen gegen die Luft ausführen und sich dabei die Seele aus dem Leib schreien – das wird manchmal mit den Begriffen Kampfsport und Kampfkunst verbunden.

Kampfsport und Kampfkunst, zwei Begriffe, die man oftmals durcheinander bringt und synonym verwendet. Was haben diese beiden Begriffe gemeinsam und worin unterscheiden sie sich? Diese Fragen möchte ich Dir in diesem Artikel in möglichst wenig Worten beantworten.

Auf den ersten Blick ist für den Laien kein Unterschied zu erkennen, denn letztlich kommen in beiden Disziplinen ähnlich aussehende Techniken vor.

Doch fragst Du einen Praktizierenden, wird dieser meist auch eine Weile zum Nachdenken brauchen, denn eine Definition und Trennung beider Begriffe stellt sich als komplizierter heraus, als zunächst vermutet.

Um die Frage über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu klären, müssen die Begriffe Sport und Kunst definiert werden.

Definition: Sport

Kampfsport und Kampfkunst

„Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich Sport zu einem umgangssprachlichen, weltweit gebrauchten Begriff entwickelt. Eine präzise oder gar eindeutige begriffliche Abgrenzung lässt sich deshalb nicht vornehmen. Was im allgemeinen unter Sport verstanden wird, ist weniger eine Frage wissenschaftlicher Dimensionsanalysen, sondern wird weit mehr vom alltagstheoretischen Gebrauch sowie von den historisch gewachsenen und tradierten Einbindungen in soziale, ökonomische, politische und rechtliche Gegebenheiten bestimmt. Darüber hinaus verändert, erweitert und differenziert das faktische Geschehen des Sporttreibens selbst das Begriffverständnis von Sport.“

Peter Röthig (Hrsg.): Sportwissenschaftliches Lexikon. Hofmann, Schorndorf 1992.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Sport#Definitionen)

Mein erster Ansprechpartner Wikipedia-sensei lieferte mir diese Definition. Leider drückt er sich immer ziemlich unverständlich und in Rätseln aus, deshalb musste ich diese Aussage selbst erstmal verstehen.

So wie ich die Sache verstehe, ist Sport also kein statischer Begriff, der sich allgemeingültig und zeitlos definieren lässt. Der Sportbegriff verändert sich stets und passt sich seiner Umgebung an. In der heutigen Zeit versteht man Sport als Oberbegriff für alle motorischen Aktivitäten, die dem Menschen als Zeitvertreib oder Spiel dienen, die dem physischen oder psychischen Wohlergehen zu Gute kommen oder die einen Wettkampf ermöglichen.

Definition: Kampfsport

Nun lässt sich der Begriff Kampfsport definieren. Wenn eine Sportart mit Elementen eines Kampfes (Schläge, Tritte, Griffe, usw.) betrieben wird, handelt es sich um Kampfsport. Es ist möglich, mit der  Kampfsportart verschiedenen Interessen nachzugehen – die einen nutzen den Kampfsport als Fitnesstraining, zum Stressabbau oder Spaßhaben; die anderen suchen die Herausforderung und wollen sich mit anderen im Wettkampf messen. Durch ein entsprechendes Regelwerk und Schutzausrüstungen wird das Verletzungsrisiko der wettkampfambitionierten Sportler möglichst gering gehalten.

Der Fokus des Kampfsports kann auf den Wettkampf zwischen zwei Gegnern gerichtet sein, die versuchen, entsprechend dem jeweiligen Regelwerk zu punkten und schließlich zu gewinnen: also letztendlich besser als alle anderen zu sein. Aber ein Zweikampf in Form einer Turnierteilnahme ist nicht zwingend erforderlich, wenn eher die gesundheitlichen Aspekte des Kampfsports angestrebt werden.

(Bekannte Beispiele für Kampfsport: Boxen, Kickboxen, Ringen)

Definition: Kunst

Kunst

Anschließend folgt die Definition der Kunst, die sich als ebenso schwierig herausstellt.

Auch in der Kunstwissenschaft sind sich die Experten wie in der Sportwissenschaft nicht ganz einig darüber, wie sich ihr Themengebiet ideal definieren lässt. Aus diesem Grund versuche ich meine Definition auf das Wesentliche zu reduzieren.

Unter Kunst versteht man zum einen das Beherrschen und Meistern einer bestimmten Fähigkeit (z.B. die Redekunst) und zum anderen das Schaffen eines Werkes (bildende Kunst wie das Zeichnen; darstellende Kunst wie das Schauspiel) auf Grundlage der eigenen Gefühle und Gedanken mit dem Versuch, diese dadurch zum Ausdruck zu bringen und für andere nachempfindbar zu machen.

Definition: Kampfkunst

Schließlich kommen wir zur Definition der Kampfkunst.

Die Kampfkunst kann zum einen darauf abzielen, sich selbst und andere verteidigen zu können („Beherrschen und Meistern einer Fähigkeit“) – der sportliche Wettkampfaspekt spielt eigentlich keine Rolle, demnach werden auch Techniken erlernt, die keinem Regelwerk unterworfen sind.

Zum anderen aber kann die Kampfkunst auch darauf ausgerichtet sein, den Charakter des Praktizierenden positiv zu formen („Schaffen eines Werkes“). Die Techniken und Prinzipien eines Kampfes sowie der formale traditionelle Aufbau eines Trainings dienen dabei als Mittel zum Zweck für die Formung der Persönlichkeit. In diesem Aspekt sehe ich ein gewaltiges Potenzial: Kampfkunst als Lebensweg, ein Lifestyle – die Kunst, das Leben zu meistern!

(Inwiefern die Kampfkunst das bieten kann, wird Teil einer Reihe weiterer zukünftiger Beiträge sein, die ich nach und nach hier verlinken werde!)

In der Kampfkunst als Lebensweg geht es nicht mehr hauptsächlich um kriegerische Auseinandersetzungen. Dafür rücken andere Komponente mehr in den Vordergrund:

  • Kultur
  • Philosophie
  • Ethik und Moral
  • Selbstverwirklichung
  • usw.

Der Kampfkünstler entdeckt und lernt, dass die Kampfkunst Parallelen zu seinem Leben hat und dass diese das Potenzial besitzen, sein Leben positiv zu beeinflussen.

 

(Bekannte Beispiele für Kampfkunst: Karate-Do, Jiu Jitsu, Kung Fu)


Kampfsport und Kampfkunst – Mischformen

Trotz der aufgeführten Definitionen treten auch Mischformen beider Disziplinen auf. So gibt es in den Kampfkünsten ebenfalls sportliche Wettkämpfe: die Vorführung von einstudierten Abläufen (Formen bzw. Kata) und Kämpfe (Kumite) mit entsprechendem Regelwerk.

Eine Kampfsportart kann auch Züge der Kampfkunst enthalten. Dafür muss der praktizierende Sportler denselben Prozess wie der Kampfkünstler durchgehen: Er muss die Parallelen seiner Disziplin zum Leben sehen und das Potenzial darin erkennen.

So wird aus Kampfsport mit dem richtigen Mindset auch eine Kampfkunst!

Kampfsport und Kampfkunst sind zwei verschiedene Disziplinen, können aber auch ein und dasselbe sein, klingt das seltsam?


 

Ich hoffe, Dir hat der Beitrag gefallen und er konnte Dir einen kleinen Überblick über diese Thematik beschaffen.

Weil ich selbst den Anspruch habe, meine Beiträge möglichst kurz – und trotzdem informativ – zu halten, kann es passieren, dass ich Wichtiges versehentlich außer Acht lasse. Also falls Du den Definitionen noch etwas hinzuzufügen oder andere Anmerkungen hast, lasse es mich wissen – dafür gibt es die Kommentarfunktion unterhalb des Beitrags.

 

Bis zum nächsten Beitrag!

Dein Kampfzwergasiate

 

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