Kampfkunst kein Automatismus

Wieder kommen wir auf die Kampfkunst zu sprechen. Stets wird von mir betont, wie sehr die Kampfkunst das Leben bereichert und zur Charakterschulung beiträgt. Man könnte meinen, sie sei ein jedem zugängliches Allheilmittel der Menschheit. Dem ist meiner Meinung nach unter gewissen Umständen auch so, ABER so einfach ist es dann doch wieder nicht:

Das bloße Ausüben einer Kampfkunst ist kein Automatismus, also kein Garant dafür, ein besserer Mensch zu werden!

 

 

Kein Automatismus

Trotz Kampfkunst schlechte Charaktereigenschaften

Obwohl es so viele Berichte und Aussagen davon gibt, wie sich das Praktizieren einer Kampfkunst (mehr dazu HIER) positiv auf einen Menschen auswirkt, ist das alleinige Praktizieren kein Selbstläufer.

Ich selbst habe schon einige Fälle gesehen und erlebt, in denen Kampfkünstler fragwürdiges und schlechtes Verhalten an den Tag legen. Dieses Verhalten reicht von Aggression, Rücksichtslosig- und Fahrlässigkeit sowie Selbstverliebtheit bis hin zur Geldgier, pures Profitdenken und weiteren schlechten Charakterzügen.

Sie selbst sehen ihre Disziplin wohl als Mittel der Selbstdarstellung, wollen sich damit profilieren und sich über andere stellen. Vielleicht fühlen sie sich so überlegen und sehnen sich nach Bestätigung – doch darüber will ich keine weiteren Vermutungen aufstellen.

Diese Menschen können noch so gut in dem sein, was sie tun, aber meiner Meinung nach passt die Bezeichnung Kampfkünstler in solchen Fällen nicht ganz, viel mehr sind sie nach meiner Definition Kampfsportler oder gegebenenfalls Unternehmer.

Und das ist nicht zwangsläufig schlecht, das behaupte ich nicht – nur sollte das dann nicht unter dem Deckmantel „Kampfkunst“ vermarktet werden, wenn doch was anderes im Vordergrund steht.

 

Desweiteren nutzen andere fehlgeleitete Menschen die Techniken einer Kampfkunst für die falschen Zwecke wie zum Beispiel die Ausübung von Gewalt. Auch hierbei sollte nicht davon die Rede sein, ein Kampfkünstler habe ein Verbrechen begangen, denn ein solcher ist dieser Mensch, der so handelt, eben nicht.

 

Wenn man all diese negativen Ausgänge betrachtet, stellt sich die Frage, was gegeben sein muss, damit die Kampfkunst etwas Positives bewirkt.

 

Voraussetzung

Damit die Kampfkunst nicht nur den Körper, sondern auch den Geist formen kann, bedarf es mehr, als das bloße Praktizieren der Techniken.

Sicherlich lernst Du nach und nach, Dich zu verteidigen und dadurch baust Du bereits ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein auf. Doch das allein reicht noch nicht für die Selbstverteidigung, es fehlt eine kämpferische Geisteshaltung, die ebenfalls erlernt werden muss. Und auch zur weiteren Schulung des Charakters bedarf es mehr:

 

Neben einen guten Lehrer, der Dir sein Wissen vermittelt und Dich auf Deine Reise begleitet, muss noch etwas Ausschlaggebendes vorhanden sein:

Die Erkenntnis darüber, wer Du bist, wer Du sein willst und dass die Kampfkunst Dir beim Erreichen Deiner Ziele helfen kann.

 

Dein Lehrer kann Dir den Weg weisen und Dich begleiten, doch gehen musst Du diesen Weg selbst. Der Impuls, durch die Kampfkunst ein besserer Mensch zu werden, kommt nicht von außen, sondern von innen. Du selbst musst Dir die Zeit nehmen und Dir darüber Gedanken machen und Dich deines Verstandes bedienen.

 

Außerhalb des Dojos

Übertragen lässt sich dieses Konzept auch auf das Leben außerhalb des Dojos:

Der ausschlaggebende Impuls, der Dein Leben so gestaltet, dass es mit Sinn und Glück erfüllt ist, kommt auch hier nicht von außen. Sicher wird Dir die eine oder andere helfende Hand gereicht (nach der Du auch greifen solltest), doch diese dienen auch nur als Wegweiser und Begleiter. Auch hier kommt der Impuls von innen, Du selbst hast es in der Hand, glücklich zu werden. Warte nicht darauf, dass das Glück zu Dir kommt, sondern sorge selbst für Dein Glück!

 

Schlusswort

Mit diesem Artikel will ich darauf aufmerksam machen, dass das alleinige Praktizieren einer Kampfkunst noch lange keinen besseren Menschen aus einen macht. Dafür gibt es wie bereits erwähnt einige Beispiele.

Als Lehrer trägt man dazu bei, die Kampfkunst zu bewahren, indem man seine Schüler kritisch im Auge behält und eventuelle charakteristische Schwächen ausfindig macht und in einem Lehrer-Schüler-Gespräch anspricht.

 

Desweiteren ist dieser Artikel als Aufruf zu verstehen, selbst über die Kampfkunst nachzudenken, um ihr volles positives Potenzial auszuschöpfen. Auch weise ich auf die Parallele zum Leben hin, durch Eigeninitiative und eigenen gedanklichen Auseinandersetzungen ein glückliches Leben zu führen.

 

Vielen Dank fürs Lesen.

Dein Kampfzwergasiate

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