Irish Open 2017

Hallo!

Wie Du vielleicht schon meiner Facebookseite entnommen hast, nahm ich dieses Jahr wieder mit meinem Team (Nordseefighter) an der Kickboxveranstaltung ‚Irish Open‘ in Dublin teil und kündigte einen Bericht von meinen Erlebnissen und Eindrücken an. Nach etwa einer Woche (Ich musste alles erstmal auf mich wirken lassen!) folgt nun die kurze Zusammenfassung:

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Die Ruhe vor dem Sturm…

 

Die Irish Open sind ein jährlich stattfindendes Turnier, in dem Kampfsportler und Kampfkünstler aus aller Welt zusammenkommen und sich in ihren Disziplinen messen. Die größte Disziplin – gemessen an der Zahl der Starter – war wohl das Pointfighting (Was das ist? Das wird in einem zukünftigen Beitrag mal genauer unter die Lupe genommen und anschließend hier verlinkt. Bis dahin dürfte der folgende Text für den Laien wohl recht unverständlich bleiben, tut mir leid.) , das Kampfsystem, in dem ich in zwei Gewichtsklassen (-57kg und -63kg) startete. Doch für die Klasse bis 57kg musste ich noch einiges an Gewicht abnehmen, Monate zuvor wog ich noch knapp 63kg.

Am ersten Tag und die Tage vor der Anreise achtete ich darauf, nicht mehr allzu viel und nur das nötigste zu essen und zu trinken, um für das Wiegen nicht über das maximale Gewicht zu kommen – dementsprechend groß war auch der Hunger. Als wir dann Donnerstag in Dublin ankamen und im Hotel eincheckten, ging es sofort los zur Waage (Die Halle befindet sich direkt neben dem Citywest Hotel) und das Ergebnis war mehr als nur knapp: 56,9kg!

Anschließend gingen wir zusammen essen, um dem Leiden ein Ende zu bereiten. Du kannst Dir nicht vorstellen, was das für eine Wohltat war!

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Ich bin nicht wählerisch gewesen und habe mich mit dem nächstbesten Gericht zufrieden gegeben. Doch es schmeckte sogar ziemlich gut!

Der folgende Freitag war den Teamkämpfen gewidmet.

Unser Team ging nicht an den Start, wir begnügten uns damit, uns die Kämpfe der anderen Teams verschiedener Nationen anzusehen.

Während der Kämpfe herrschte eine unbeschreibliche Atmosphäre, die Kämpfer wurden durch den Beifall und Jubel des Publikums bis an die Grenzen gepusht, auf jede Aktion folgte eine Reaktion der Zuschauer – mal laut und mal leise, auch mal ganz stumm,wenn es besonders spannend wurde; jeder fieberte mit, folgte gespannt dem Kampfverlauf und hoffte auf den Sieg des favorisierten Teams. So viele Menschen mit derselben Leidenschaft an einem Punkt versammelt, so viele Emotionen. Und selbst, wenn die eigene Mannschaft verloren hat, wurde dem Gegner der Sieg gegönnt. Letztendlich zelebrierten alle gemeinsam das gerade erlebte Spektakel. Kampfsport bringt Menschen zusammen!

Samstag waren dann meine Klassen dran, ich wachte morgens auf und freute mich auf den Tag. Beim täglichen Frühstücksbuffet passte ich diesmal auf, nicht zu viel zu essen, was mir am vorherigen und an den nächsten Tagen nicht gelang.

In der Halle wärmte ich mich dann auf und dehnte mich locker an. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl, die letzten Turniere liefen für mich auch ziemlich gut und auch an dem Tag war ich rein physisch gesehen fit für den Kampf.

Meine Klasse bis 63kg startete und ich sah mir die ersten Kämpfe an, ich bin erst einige Kämpfe später dran gewesen. Schließlich war es dann so weit! Mein Gegner: aus Irland.

Leider konnte ich in diesen Kampf meine übliche Form nicht finden, für meine Größe bewegte ich mich viel zu statisch und nutzte meine Schnelligkeit nicht aus – viele Chancen zum Angriff blieben von mir auch ungenutzt, was darin resultierte, dass ich den Kampf verlor.

Mit Niederlagen kann ich umgehen, ärgerlich war nur, dass es ein schlagbarer Gegner gewesen ist, den ich hätte besiegen können. In dem Fall war ich mental nicht auf dem nötigen Level, ein Problem, das ich öfter habe: Auf Turnieren ist mein erster Kampf meistens der Schlechteste, ich muss mich immer erst einkämpfen, um meine volle Leistung abrufen zu können.

Bis zur nächsten Klasse bis 57kg dauerte es noch ein wenig und ich sah mir die weiteren Kämpfe an.

Die nächste Klasse lief auf jeden Fall besser für mich und meine Bewegungen wurden wieder fließender. Später traf ich dann auf den stärksten Kämpfer dieser Klasse… jedoch gab es ein Problem: Meine vertrauten Coaches waren beide zur Zeit nicht verfügbar – zum Glück standen dennoch als geistiger Beistand zwei aus meinem Team hinter mir – doch anstatt Panik ergriff mich Euphorie! Zwar wusste ich, dass ich nicht als Gewinner hervorgehen werde (ja, diese Einstellung ist fragwürdig), aber ich sah in diesen Kampf die Chance, zu vergleichen, wie weit ich noch leistungstechnisch von den Profis entfernt bin.

Wenn ich keine Coachinganweisungen bekomme, kämpfe ich meist intuitiv, denke nicht viel und lasse meinen Körper reagieren und siehe da: Ich führte in der ersten Runde dank meiner Schnelligkeit. Danach wendete sich das Blatt allerdings, denn das Team des Gegners zeichnet sich unter anderem durch seine Analysefähigkeiten aus. Es ist unglaublich, wie viel sowas ausmacht! In der zweiten Runde wurde mein Gegner komplett auf mich eingestellt und es gab nichts mehr, was ich dem entgegensetzen konnte. Ich verlor die Führung und schließlich auch den Kampf.

Trotzdem war ich mit meiner Leistung zufrieden, da ich nicht kampflos verlor und mir klar war, dass ich an Erfahrung gewonnen habe. Aus Niederlagen kann man oftmals mehr entnehmen, als aus einem Sieg.

Das Leben ging weiter, ich machte mich wieder frisch und sah mir danach weitere Kämpfe an. Abends fand dann eine Gala statt mit ausgewählten Finalkämpfen und Musikformen.

Gala_Ablauf
Der Ablaufplan der Gala

Am Sonntagabend, der letzte Tag der Veranstaltung, fanden die Kämpfe der Grandchampion-Klasse statt. In dieser Klasse wurden die spannendsten Kämpfe ausgetragen, die besten Kämpfer trafen hier aufeinander und ich bekam immer wieder eine Gänsehaut bei der dort herrschenden Atmosphäre!

Nach dem Grandchampionfinale folgte die legendäre After Fight Party

Doch was in Irland passiert, bleibt in Irland.


Das war auch schon der Bericht von dem, was ich erlebt habe. Leider war es mir nicht möglich, jedes einzelne kleine Detail wiederzugeben (sonst wäre der Artikel zu lang geworden, ich beschränkte mich auf Schlüsselmomente, die für mich eine hohe Relevanz hatten) – die Irish Open muss man einfach selbst erlebt haben, um meine damit verbundenen Emotionen nachempfinden zu können!

Trotz der eingesteckten Niederlagen bin ich froh, dagewesen zu sein, da ich nun noch mehr über meine Stärken und Schwächen gelernt habe und meinem Ziel somit ein ganzes Stück näher gekommen bin! Auch haben nicht nur die Kämpfe, sondern auch die dort gezeigten Formen mein Interesse geweckt – eventuell eine neue weitere Perspektive für mich und man sieht mich in der Zukunft auch mal im Formenbereich? Wer weiß.

Ich bin gespannt, was das Leben noch so bringt und wohin mein Weg mich führt.

Dein Kampfzwergasiate

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