Dojokun – Die Regeln der Kampfkunst

Bisher sprach ich immer davon, wie die Kampfkunst zu einer Verbesserung der Welt beitragen kann und heute geht es um eine der wesentlichen Komponente der Kampfkunst, dieses Ziel zu verwirklichen:

Dojokun – Die Regeln der Kampfkunst

 

Was ist Dōjōkun?

Unter Dojokun versteht man die Regeln, die innerhalb eines Dojos herrschen. Diese Regeln sind zum einen dazu da, während des Trainings eine ideale Trainingsatmosphäre zu schaffen. Zum anderen sollen diese aber auch als Richtlinie dafür gelten, wie mit der Kampfkunst umgegangen werden sollte, da das Erlernen einer Kampfkunst eine gewisse Gefahr darstellt, wenn mit dem erlangten Wissen nicht sorgsam umgegangen wird.

Durch das Befolgen des Dojokuns soll der Budoka eine Richtlinie haben, wie er sein Ziel der Perfektion seiner Kunst erreichen kann.

Herkunft und Verbreitung

Das Dojokun geht auf die Ursprünge der Kampfkünste zurück und über ihre genaue Entstehung gibt es nur Vermutungen, weswegen ich keinen Ursprungsort und Urheber nennen werde.

Desweiteren muss erwähnt werden, dass es nicht das eine Dojokun gibt. Weltweit gibt es verschiedene Überlieferungen, teils ergänzen die jeweiligen Verbände und Dojos auch weitere Aspekte. Selbst die verschiedenen Kampfkünste haben jeweils ein eigenes Dojokun.

Das Dojokun wird außerdem nicht nur in traditionellen, sondern auch in moderneren Dojos verwendet.

Tempel, Dojokun

 

Die fünf Leitsätze

In diesem Artikel wird es speziell um die fünf Leitsätze aus dem Karate als Dojokun gehen, die (angeblich) von Sakugawa nach chinesischem Vorbild entworfen wurden:

 

hitotsu, jinkaku kansei ni tsutomeru koto

hitotsu, makoto no michi o mamoru koto

hitotsu, doryoku no seishin o yashinau koto

hitotsu, reigi o omonzuru koto

hitotsu, kekki no yu o imashimuru koto“

 

(Folgendes wurde frei, sehr, sehr frei übersetzt!) 😛

  1. Strebe nach der Vervollkommnung Deines Charakters.
  2. Bewahre den Weg der Wahrheit.
  3. Bemühe Dich ständig.
  4. Sei höflich und respektvoll.
  5. Verzichte auf Gewalt.

Bedeutung

Deinen Adleraugen ist sicher nicht entgangen, dass im Japanischen das hitotsu von mir unterstrichen wurde. Alle gelisteten Sätze beginnen mit diesem Wort.

hitotsu heißt so viel wie „eins“ und soll somit hervorheben, dass all diese fünf Sätze an erster Stelle stehen und somit gleich wichtig sind. Dem Gedanken kann ich gut folgen und stimme dem auch ohne Weiteres zu.

Kommen wir nun auf die Botschaft der einzelnen Sätze zu sprechen.

Strebe nach der Vervollkommnung Deines Charakters

Als Kampfkünstler solltest Du stets danach streben, ein besserer Mensch zu werden. Genau dafür ist die Kampfkunst (abgesehen von dem Aspekt der Selbstverteidigung) da. Bessere Dich in allen möglichen Bereichen, werde disziplinierter, geduldiger, freundlicher, gelassener, weiser und glücklicher! Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu verbessern.

Versuche, die Parallelen der Kampfkunst zum Leben ausfindig zu machen und versuche das, was Du daraus lernst, zu übertragen und anzuwenden.

Bewahre den Weg der Wahrheit

Als Kampfkünstler solltest Du stets ehrlich sein. Ehrlichkeit ist in einem sozialen Umfeld unabdingbar, da ein Zusammenleben nur dann möglich ist, wenn man seinem Gegenüber vertrauen kann.

Zudem solltest Du vor allem Dir selbst gegenüber stets ehrlich sein, um Dein Fortschreiten nicht zu sabotieren. Sei Dir immer im Klaren darüber, wo Du gerade stehst, im Training und auch im Leben. Betrachte Deine Situation mit kritischen Augen.

Bemühe Dich ständig

Als Kampfkünstler solltest Du stets die Motivation aufbringen, Dich in allen Belangen zu verbessern. Nur wenn Du dich wahrhaftig einer Sache widmest, kannst Du auf gute Ergebnisse hoffen.

Lasse Dich im Training von nichts ablenken. Fokussiere Dich auf die Trainingsinhalte und blende alles andere aus, wenn Du Resultate sehen willst. Dazu gehört auch, dass Du Deinem Lehrer aufmerksam zuhörst, sowohl im Training als auch außerhalb des Dojos (z.B. in der Schule, auf einer Fortbildung, usw.). Dein Lehrer teilt mit Dir sein Wissen, wovon Du profitierst. Verzichte darauf, das Training durch Gespräche und unnötige Pausen zu unterbrechen – dafür ist auch später noch Zeit.

Außerdem ist der Lernprozess nicht mit dem Ende des Unterrichts abgeschlossen: Wer wirklich etwas lernen und somit besser werden will, muss sich zwangsläufig auch in seiner Freizeit damit auseinander setzen. (z.B. indem er meinen Blog liest) 😛

Sei höflich und respektvoll

Als Kampfkünstler solltest Du einen höflichen und respektvollen Umgang pflegen. Behandle andere so, wie Du selbst von ihnen behandelt werden willst.

Es ist egal, um wem es sich handelt. Jeder Mensch verdient es, mit Respekt behandelt zu werden. Wir Menschen brauchen einander. Und gerade in der Kampfkunst bist Du von so vielen Menschen abhängig:

Da wäre zum einen der Lehrer, der Dir sein Wissen so gut es geht vermittelt und Dich auf Deiner Reise begleitet und zum anderen Dein Mitschüler, der dasselbe Ziel verfolgt wie Du und Dir für die unerlässlichen Partnerübungen zur Verfügung steht. Selbst im Wettkampf bist Du abhängig von Deinem Gegner, da er Dir die Möglichkeit gibt, Dir deinen Leistungsstand aufzuweisen.

Dir selbst gegenüber solltest Du auch respektvoll sein, Du bist es wert, die Kampfkunst zu erlernen, um ein besseres und glückliches Leben zu führen und dieses auch verteidigen zu können – indem Du hart an Dir selbst arbeitest, zollst Du dir selbst Respekt.

Verzichte auf Gewalt

Als Kampfkünstler solltest Du dir stets im Klaren darüber sein, wofür Du die Kampfkunst erlernst. Sie ist nicht dafür da, die erlernten Techniken willkürlich an Menschen auszutesten. Und selbst im Sinne der Selbstverteidigung sollte die Kampfkunst das letzte Mittel sein.

Paradoxerweise lernst Du zu kämpfen, damit Du eben nicht kämpfen musst! Die Kampfkunst gibt Dir die Sicherheit, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

 

„Der klügste Krieger ist der, der niemals kämpfen muss.“

– Sunzi, chinesischer General und Militärstratege

Dieser Grundsatz besagt aber meiner Meinung nach auch, dass Du auf psychische Gewalt verzichten solltest, also verletze niemanden durch Deine Worte und meide negative Emotionen und Gedanken.

 

Fazit

Die fünf Leitsätze sind nur eine von vielen Dojokuns und die vorliegende Interpretation entspricht meinem Verständnis davon. Dieses Dojokun stammt aus dem Karate, ist aber dennoch ohne Weiteres auf jede Kampfkunst übertragbar. (Ich bin ohnehin kein Fan davon, zwischen all den Stilen zu differenzieren und werde überwiegend von Kampfkunst als eine Einheit sprechen.)

Überträgt man diese Ideale auf sein eigenes Leben, entfaltet man ein großes Potenzial.

Denke daran, dass Kampfkunst nicht nur im Dojo stattfindet – Kampfkunst ist Leben und Leben ist ein ewiger Lernprozess!

 

Wie bereits erwähnt sind alle Sätze gleichwertig und müssen in ihrer Gesamtheit betrachtet und angewendet werden. Hast Du dazu etwas zu ergänzen? Konntest Du etwas aus diesem Artikel gewinnen?

Sehr gerne würde ich Deine Meinung dazu hören, traue Dich und lasse ein Kommentar da!

 

Zum Thema Dojokun werden noch weitere Artikel folgen. In diesem Sinne: Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!

Dein Kampfzwergasiate

2 Kommentare

  1. Ronja Sophie 17. April 2017 at 14:17

    Also erst einmal muss ich bin sagen, dass mir das Lesen wieder sehr viel Freude bereitet hat. Gelernt hab ich auf jeden Fall einiges. Zwar verstehe ich nicht viel von Kampfkunst und ich betreibe leider auch keine aber ich konnte es zumindest auf einen Teil meines Lebens übertragen. Ich gehe ja zur Zeit noch zur Schule und ich glaube, es geht anderen auch so aber es gibt Sachen, die sind einfach überhaupt nicht interessant und da hat man auch nicht wirklich Lust drauf. Neulich bin ich im Erdkundeunterricht fast eingeschlafen. 😅 Im Nachhinein tut mir das immer echt leid, dass ich zwischendurch ein Gespräch mit meinen Mitschülern anfange, das einschlafe oder lieber in die Pause möchte. Aber genau das ist ja nicht richtig. Die Lehrer sind doch freiwillig da. Um mit anderen sein Wissen zu teilen und zu helfen. Ich sehe so oft Schüler, die keinen Respekt vor Lehrern haben. Und es kommt so oft vor, dass die Lehrer die Schuld am schlechten Leistungsstand haben sollen. Diese Schüler werden erst später merken, dass es deren eigenes Verschulden ist. Mir und sicher auch anderen fällt es schwer, höflich und respektvoll mit anderen umzugehen, wenn man nichts zurückbekommt. Mal gelingt es mir, dies mit Gleichgültigkeit zu besehen, ein anderes Mal aber nicht. Wie viel muss man denn mit sich machen lassen? Ich meine es ist schön ein netter, ehrlicher und zuvorkommender Mensch zu sein. Aber wenn dies ständig mit Füßen getreten wird. Was bringt das denn? Es ist traurig, dass es Menschen gibt, die diese Bemühungen nicht zu schätzen wissen. Egal ob als Lehrer oder als jemand, der ein nach einem Leben als besseren Menschen strebt. Man tut es doch in erster Hinsicht für sich oder? Wenn man mit sich selber zufrieden ist kann es egal sein, was andere tun und man hilft anderen Menschen, die vielleicht nicht den Mut haben, etwas zu verändern und inspiriert sie.

  2. Kampfzwergasiate 17. April 2017 at 20:28

    Hallo Sophie!
    Man muss auch nicht zwingend Kampfkunst betreiben, um ihre Lehren auf das Leben zu übertragen – helfen würde es aber 😛

    Das Problem hatte ich damals in der Schule auch, doch heute bereue ich es, in so manchen Fächern nicht aufgepasst zu haben. Rückblickend ist das alles doch interessanter, als es mir damals erschien. Aber man muss sich ja nicht für alle Themen interessieren, jedoch hat ein gewisses Allgemeinwissen in verschiedenen Feldern noch nie jemandem geschadet.

    Zu 100% freiwillig sind die Lehrer nicht da, schließlich verdienen sie damit ihr Geld. Allerdings meine ich behaupten zu können, dass sie diesen Beruf wohl gewählt haben, weil sie tatsächlich helfen wollen.
    Jene Schüler, die die Lehrer für ihre schwachen Leistungen verantwortlich machen wollen, sind meist nicht ehrlich mit sich selbst und nehmen sich dadurch das Potenzial zur Besserung, da bleibt nur zu hoffen, dass sie diese Gegebenheit irgendwann selbst erkennen.

    Diejenigen, die Deine gute Art nicht wertschätzen, sind nicht diejenigen, von denen Du etwas zu erwarten hättest. Deine gute Art wird durch die anderen, die Dich dafür lieben, wie Du bist, belohnt.

Was denkst Du darüber?