An- und Entspannung

Hallo, ihr Lieben!

Der Urlaub ist vorbei und die Vorbereitungen für anstehende Turniere und das Erreichen meiner Ziele kommen wieder ins Rollen. Auch werde ich natürlich wieder regelmäßiger bloggen!

Ich bedanke mich an dieser Stelle für euer Verständnis und eure Geduld 🙂


 

Und nun zum Thema dieses Artikels:

Vor den Sommerferien fand meine Braungurtprüfung im Karate statt, die ich erfreulicherweise (und mit der Hilfe meiner Partnerin ♥) bestanden habe. Dabei wurde mir allerdings eine bereits bekannte Erkenntnis, ein „Problem“, erneut vor Augen geführt, die mich schon von Beginn meines Karate-Dōs an begleitet…

 

 

Mein Problem

Ich habe, ohne jetzt abgehoben wirken zu wollen, eigentlich eine ziemlich hohe Ausdauer und bin schwer zu ermüden. Nach einer anstrengenden Übung bin ich auch schnell wieder fit und bereit für die nächste Runde; meine Regeneration läuft ziemlich schnell ab. Im Kampf selbst habe ich so gut wie nie Konditionsprobleme, sei es beim Kickboxen oder Jiu Jitsu. Nur beim Karate scheine ich diesbezüglich Probleme zu haben.

Anfangs tat ich mich sehr schwer, weil Karate technisch und koordinativ anspruchsvoll ist, leider besitze ich auch keine Anzeichen von Rythmusgefühl, was mir die Sache umso mehr erschwert 😆

Jetzt nach einigen Jahren kämpfe ich noch immer mit diesen Problemen, bin in den Bereichen aber deutlich besser geworden. Kraft, Schnelligkeit und Präzision bereiten mir keine großen Schwierigkeiten. Mein Problem beim Karate habe ich (bzw. meine Trainer) auf dem bisherigen Weg identifizieren können: Ich bin bei der Ausführung der Techniken viel zu angespannt. Das liegt sicher daran, dass ich mich als „Koordinationswunder“ wirklich sehr auf eine Sache konzentrieren muss, um sie zu bewerkstelligen. Das legt sich dann meist, wenn ich Abläufe durch viele Wiederholungen automatisiert bekomme. Denke ich dann allerdings doch wieder zu sehr über eine Sache nach, schleicht sich wieder derselbe Fehler ein.

Durch diese konstante Anspannung verlieren meine Techniken ihr Potenzial. Zum einen verbraucht die durchgehende Anspannung Unmengen an Energie, bei der Prüfung gelang ich schnell an meine Grenzen und benötigte einige Atempausen. Zum anderen könnten meine Techniken schneller und kräftiger sein, wenn ich nicht dauerhaft angespannt wäre.

Einer meiner Trainer erklärte es mir anhand eines Beispiels: „Versuch mal, Deine Muskeln angespannt zu lassen und dabei einen effektiven Schlag auszuführen.“ – schon der gesunde Menschenverstand zeigt, dass das nicht klappen wird und der tatsächliche Selbstversuch bestätigt dies wie erwartet.

Im Idealfall, also um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, sollte ich vor der Technik entspannt sein, dann während der Technik im Moment des Treffens anspannen und anschließend wieder entspannen – ein flüssiger Wechsel von Anspannung und Entspannung, im Karate wird für diesen Vorgang übrigens das Wort kime verwendet.

 

Und wieder sehe ich dabei Parallelen zum Leben außerhalb des Dojos!

 

Anspannung und Entspannung

Das Prinzip der Anspannung und Entspannung begegnet jedem im alltäglichen Leben.

Und mein zuvor beschriebenes Problem der Anspannung ohne Entspannung ist ebenfalls ein so gut wie jedem bekanntes Phänomen, wenn wir der Anspannung den neuen Namen Stress geben.

 

Was ist Stress?

Unter Stress verstehen viele etwas sehr negatives, doch Stress an sich ist nichts schlechtes, ganz im Gegenteil: Wir Menschen brauchen Stress sogar, um in den entscheidenden Momenten Höchstleistungen zu erzielen!

Im Folgenden werde ich die Funktion des Stresses erläutern und mich dabei bemühen, es so einfach und unkompliziert (also möglichst ohne Fachbegriffe, die zusätzlich erklärt werden müssten) wie nur möglich darzustellen:

Stress ist eine physische und psychische Reaktion auf bestimmte äußere Reize. Stehen wir zum Beispiel während eines ruhigen und entspannenden Waldspaziergangs plötzlich einem hungrigen Raubtier gegenüber, sorgt unsere Angst für Stress. Dabei werden die Stresshormone Adrenalin und Cortisol freigesetzt, die dafür Sorgen, dass die Herz- und Lungenaktivtität steigt und folglich die Muskeln stärker durchblutet werden, wodurch diese besser mit Energie (Blutzuckerspiegel steigt ebenfalls!) versorgt werden.

Durch diese Anpassung sind wir nun in der Lage, etwas gegen die uns gegenüberstehende Gefahr zu unternehmen. Wir können entweder die Flucht ergreifen oder kämpfen. Unter Stress vermag der menschliche Körper Übermenschliches zu vollbringen!

Im Normalfall würden die Effekte der Stressreaktion nach einer Weile wieder abklingen, da wir entweder geflüchtet sind oder die Gefahr durch Kampf abgewendet haben. Herz und Lunge nehmen wieder ihr gewohntes Arbeitspensum ein, weil der Körper nicht auf Dauer so viel Energie verbrauchen kann, ohne sich selbst zu schaden.

Doch diese Art des Stressreizes spielt für den heutigen Menschen, der das Glück hat, nicht stets unter Hunger, Terror und Krieg leiden zu müssen, kaum noch eine Rolle. Die Stressreize von heute sind eher Leistungsdruck (Schule und Arbeit) und soziale Ängste (Freunde, Familie, Liebe, usw.) – und wir sind diesen Stressoren permanent ausgesetzt!

 

Die Konsequenzen

Diese permanente Belastung ist meiner Meinung nach die Ursache vielen Übels, von körperlichen Beschwerden wie Ermüdung bis hin zu psychischen Problemen wie Depressionen – die Liste ist endlos lang. Der Dauerstress zerrt an unsere Energiereserven und macht uns mit der Zeit krank und unglücklich.

 

Die Lösung

Die Lösung ist wie bei meinem Ausgangsproblem wieder ein gesundes Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung herzustellen, wir müssen uns stets die nötigen Pausen gönnen, um nicht unter der Last des Stresses zusammenzubrechen. Es hört sich so einfach an, oder? Jedoch scheint es in der Praxis zwischen all der Arbeit, die es zu erledigen gilt, keine Zeit zu geben, in der man pausieren könnte.

Zu der Aussage habe ich mich in diesem Beitrag schon mal geäußert: Die 24-Stunden-Lüge

 

 

 

Fazit

Auch ich wurde in meiner Vergangenheit mit viel Stress konfrontiert und auch heute bleibt dies nicht aus. Stress selbst sehe ich aber nicht mehr als schlecht an, Stress hilft mir sowohl im Sport als auch in anderen Bereichen gute Leistungen zu erbringen. Nur zu viel Stress ist kontraproduktiv, die Menge macht das Gift – zum Glück erinnert mich die Kampfkunst stets daran, wie wichtig es ist, die Anspannung durch Entspannung zu ergänzen.


 

Ich hoffe, dir hat der Beitrag gefallen!

Bei möglichen Fragen, Ergänzungen und Kritik kannst Du mich gerne stets kontaktieren – gegen Lob habe ich allerdings auch nichts einzuwenden 😛

An dieser Stelle noch ein paar Fragen an Dich: Gönnst Du dir ausreichend Entspannung? Und wie entspannst Du dich am besten? Lass es mich wissen, es interessiert mich. Vielleicht schreibe ich in der Zukunft selbst noch etwas zum Thema Entspannung, wenn Interesse besteht.

 

Bis zum nächsten Mal!

Dein Kampfzwergasiate

5 Kommentare

  1. Ronja 24. August 2017 at 17:28

    Hallo,
    Ich dachte mir, ich schreibe einfach mal hier und beantworte Deine Fragen. 🙂

    Ich denke, im Moment gönne ich mir nicht wirklich viel Auszeit, um ehrlich zu sein. Nach der Schule arbeite ich einfach weiter bis spät abends und falle dann meist totmüde ins Bett. Ziemlich dumm, da mir an anderen Tagen die Energie fehlt, die ich eigentlich brauche. Aber natürlich gibt es auch Phasen, wo ich mich lieber aufs Sofa setzte, um Musik zu hören oder, wie jetzt gerade, etwas zu lesen. Manchmal gehe ich spazieren oder lass mich einfach so von Gedanken „aus dieser Welt holen“. So richtig entspannen kann ich mich bei meiner Freundin und auch in Freistunden, wenn ich mit meinen Schulfreunden etwas unternehme. Schlafen entspannt übrigens auch sehr😂

    Hat mich sehr gefreut, wieder etwas von Dir lesen zu können. Ein sehr schöner Beitrag. 🙈

    LG 🙂

    1. Kampfzwergasiate 25. August 2017 at 13:46

      Hey,
      Freut mich, dass Du wieder kommentierst 🙂
      Und vielen Dank!

      Vielleicht solltest Du dir mal überlegen, wie Du deinen Tag effiziener gestalten kannst, um Schule und Erholung in Einklang zu bekommen, kannst mich diesbezüglich wie immer einfach anschreiben!

      Bis dann 🙂

  2. LeeT 25. August 2017 at 14:14

    Hey,
    Ich bin ein begeisterter Leser deines Blogs und bewundere dich sehr. Mach weiter so! Ich liebe Kampfsport (bin selbst aktiv) und verstehe deine Probleme voll und ganz. Kennst du dich annährend mit Kung-Fu aus? Sagt dir der Begriff Shaolin etwas? Ich würde mich freuen, demnächst einen Artikel von dir lesen zu können, der etwas mit chinesischen Weisheiten, Kung-Fu o.ä zu tun hat. Liebe Grüße 😊

    1. Kampfzwergasiate 25. August 2017 at 14:32

      Hallo,
      Es freut mich wirklich sehr, dass Du meinen Blog liest 🙂
      Und es ist schön, auf Gleichgesinnte zu treffen! Natürlich sind mir Kung Fu und Shaolin ein Begriff und tatsächlich hatte ich bereits vor, einige der vielen chinesischen und auch japanischen Weisheiten aufzugreifen, da diese mich selbst faszinieren und inspirieren.

  3. Sportler der alten Schule 23. Mai 2018 at 14:49

    Stimmt schon, Stress kann man nie ganz vermeiden, aber am Ende ist es doch immer die Angst vor etwas, die lähmt, bzw. Stress erzeugt. Da Schlimmste tritt sowieso selten ein, aber wenn man das Worst-Case-Szenario vorher einfach akzeptiert, wird man feststellen: „Hey, auch das ist kein Weltuntergang“. Gerade im Kampfsport, bei Wettkämpfen oder Prüfungen, kann man dadurch schon wieder im Hier-und-Jetzt sein und muss sich nicht mit Ängsten oder negativen Gedanken quälen. Ein Trainingskollege hat dies mal ganz treffend formuliert: „Leck-mich-am-Arsch-Feeling haben und trotzdem Vollgas geben“.

Was denkst Du darüber?